Die „kleine Reibn“ und rund um den Königssee

.. startete bei schönstem Augustwetter mit einer Fahrt in der nostalgischen Jennerbahn. Von der Bergstation ging es in 10 Minuten zum Jennergipfel und die Berchtesgadener Berge präsentierten sich im besten Licht. Die Tourenteilnehmer Gabi, Verena und Thomas Velthaus, sowie Jan de Bie, Charlotte und Jan Bauer waren augenblicklich eingenommen von der spektakulären Kulisse.

Nachdem im nahegelegenen Stahlhaus unser Nachtlager bezogen und das Abendessen verputzt war, ging es an die Tagesplanung für unsere erste Etappe. Über den Schneibstein zum Seeleinsee, die „Kleine Reibn", musste wegen schlechter Wetteraussichten gestrichen werden. Da half alles Bedauern nix, schlechte Sicht und Regen ließen sich nicht wegdiskutieren. Am nächsten Morgen ging es also durch trübes Wetter über den unteren Hirschenlauf auf kürzestem Weg zur Gotzenalm.

Die Hütte schon in Sichtweite führte uns ein kurzer Schlenker auf den Aussichtspunkt "Feuerpalfen" um den Königsee von oben zu bewundern. Mit lecker Kuchen und an diesem Tag heißen Getränken, ein bissl Entspannung auf der hauseigenen Slackline und einer blitzblanken Wettervorhersage, ergaben sich neue Pläne für den nächsten Tag. Um wenigstens einen Teil der "kleinen Reibn" mitzunehmen, gingen wir nicht auf direktem Weg zur Wasseralm, sondern erst hinauf zum Seeleinsee. Bei blankgeputztem Himmel wurde es eine wunderschöne alpine Etappe mit Mittagsrast am und im Seeleinsee, Gemsen- und Schmetterlingsbegegnungen inklusive.

Ordentlich müde kamen wir auf der Wasseralm an, mitten im Wald auf einer Lichtung mit breitem Bach gelegen. Nach erster Stärkung mit Getränken bezogen wir Quartier, diesmal ohne Duschen und Speisekarte. „Waschen im Bach, Beeilung! Noch scheint die Sonne drauf."

Das Lager ist eine Herausforderung an geschickte Kletterer! Für 4 Personen plus Rucksäcke: ein Brett 2,50 m im Quadrat, auf 3 m Höhe in die Dachschräge gezimmert, über eine steile Leiter erreichbar ... Schnell, solange es noch hell ist unsere Schlaf- und Rucksäcke auf diesen Plätzchen verteilt. Das WC, ein Häuschen mit Herzchen, war einige Klettermeter entfernt... So fertig zum Abendessen. Anstellen an der Essensausgabe, Zeit zu überlegen: Minestrone, mit oder ohne Würstchen. Dann musste der Riesensuppenteller zum Tisch balanciert werden und beim Essen genossen wir die Aussicht auf die Wiese, den Wald und den aufgehenden Mond. Die Enten kamen angewatschelt und holten sich ihren Teil vom Abendessen.

Zähneputzen am Brunnen, die Stirnlampen beleuchten die dunkle Wiese, die Augen der Rehe warfen das Licht zurück. Naturparadies! Größte Herausforderung in der Nacht: nicht aus dem "Bett" fallen und auch niemand raus schubsen!

Am nächsten Morgen, gestärkt durch frisches Obst und Müsli, machten wir uns auf den Weg zum Kärlinger Haus am Funtensee. Die Sonne gab auch heute alles, ein guter Teil des Weges führt jedoch durch lichten Wald. Vorbei am stillen Schwarzsee, wuchs in der Sommerhitze das Verlangen ins Wasser zu springen. Am Grünsee angekommen ging es steil den Hang hinab ans Seeufer, Mittagsrast und Schwimmen im Grünsee vor großartigem Bergpanorama. Danach zog sich der Weg zum Kärlinger Haus und wir erreichten den kältesten Ort Deutschlands ziemlich geschafft bei 30 Grad im Schatten. Jetzt half Strudel mit Vanillesoße die Speicher wieder aufzufüllen, alle waren sich einig, dass 6 Gehstunden wirklich die Obergrenze sind!

Auch am Funtensee erlebten wir die reine Bergromantik: der Vollmond erhob sich aus den Nebelschleiern über dem Funtensee, die Hirsche röhrten im Wald, Sternenfunkeln am Nachthimmel, wunderbarer Kitsch. So ging's recht müde zu Bett.

Richtig früh sind wir aus dem Haus gegangen, um über die "Saugasse" gut 1000 Hm zum Königssee abzusteigen, was bei besten Bedingungen leichter ausfiel als gedacht. Spannend wurden die letzten 200 Hm in steilen Kehren durch den lichten Laubwald. Immer wieder funkelte der Königssee durch die Äste und dann lag sie vor uns, die bayrische Karibik.

Die 1000 Hm Abstieg waren sofort vergessen und angesichts der 800 Hm Aufstieg über den teils versicherten Rinnkendlsteig zur Kührointalm, gab es hier am Strand des Königssees eine zweistündige Mittagspause nach Gusto. Ein Teil der Gruppe wurde von St. Bartholomä angezogen (sowie Schiffsladungen von Königsseetouristen auch).

Wir ließen uns am menschenleeren Strand nieder. Jan stand am Wasser und fragte ungläubig: "und da darf man wirklich drin schwimmen?" Ja! Und schon waren wir alle drin. 32 Grad Lufttemperatur und geschätzte 18 Grad Wassertemperatur passten prima zusammen. Picknicken am Wasser und viel zu schnell gingen die zwei Stunden rum.

Rein in den Touristenrummel und Wasservorräte auffüllen, und … nix wie weg hier...Im Wald auf den steilen Rinnkendlsteig stellte sich das Berggefühl wieder ein: der Schweiß lief, obwohl wir uns fast nur im Schatten bewegten. Märchenhaft mutete der Steig an, während wir im lichten Wald, zwischen Blumen und Schmetterlingen den steilen Hang auf schmalem Pfad bezwangen. Teilweise versichert sind hier einige alpine Felspassagen zu überwinden, was der gut eingespielten Gruppe auch locker gelang. Aber gut sieben Stunden Gehzeit in der Sommerhitze forderten Tribut und der erreichte Aussichtspunkt über dem Königssee wurde genutzt um alle noch vorhandenen Vorräte zu verputzen und die schönsten Königsseebilder zu schießen.

Nur noch eine halbe Stunde bis zur Kührointalm...und dann frisch geduscht im Liegestuhl, ein kühles Bier in der Hand, den Watzmann vor Augen und die letzte Herausforderung war die Entscheidung für eines der vorzüglichen Gerichte fürs Abendessen. Noch ein bisschen umherspazieren, die Kälbchen werden gestreichelt, die Sennerin ausgefragt, die nähere Umgebung erkundet, die Karte ausgepackt, wie heißt dieser Berg? Und dieser? Bis die Sonne untergeht. Gemütliches Zusammensitzen in der Stube, die vergangenen Tage Revue passieren lassen ...

Ein letztes Aufwachen in der Traumkulisse der Berchtesgadener Berge ... Wecker waren gestellt, um den frühen Morgen nicht zu verschlafen, die Beine waren immer noch müde. Nach ausgiebigem Frühstück im Freien war das Rucksackpacken schnell erledigt.

Es half nix, wir mussten absteigen, waren aber alle schon im Stillen verabredet, auf ein Wiedersehen, mit dem Watzmann und seinen Gesellen.

Monika Bauer

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