22. bis 31. August 2015: Seniorentour über den Dolomiten-Höhenweg

Morgenmuffel hätten es bei unserer Tour zum Dolomiten-Höhenweg Nr. 1 schwer gehabt, denn am Samstag, den 22. August, traten wir am Bahnhof Rüsselsheim schon um 4:48 Uhr die lange Fahrt nach Italien an. Nur böse Zungen würden behaupten, dass diese Abfahrtszeit der erstmals angestrebten Zielgruppe „Senioren" besonders entgegenkam.

Die Gruppe am ersten Morgen vor der Cinque-Torre-Hütte

Dank perfekter Planung durch den Tourenleiter und unter Nutzung aller sich - auch spontan - bietenden Fortbewegungsmöglichkeiten konnten wir unsere erste Hütte schon gegen 18 Uhr erreichen. Das Refugio Cinque Torri machte seinem Namen alle Ehre und gewährte uns malerische Ausblicke auf die gleichnamige Felsformation mit ihren fünf steilen Türmen. Bei einem Rundweg um dieses Massiv erinnerte uns am nächsten Morgen ein Freilichtmuseum daran, dass die Dolomiten einst Schauplatz erbitterter Kämpfe im Ersten Weltkrieg waren. Anschließend machten wir uns auf zu unserem nächsten Etappenziel, dem Rifugio Croda da Lago, das auch den Namen von Gianni Palmieri führt und damit an einen jungen Partisanen erinnert, der im Zweiten Weltkrieg sein Leben verlor.

Lago de Federa o da Lago

Fröhliche Gesichter beim Start von der Croda di Lago-Hütte

Auch im weiteren Verlauf der Woche sollten wir immer wieder daran erinnert werden, wie stark umkämpft einst das Grenzgebiet der Dolomiten war. An der malerisch an einem kleinen See gelegenen Hütte nahm der Essensbeauftragte unserer Gruppe seine Arbeit auf und versuchte, der Küche rechtzeitig unsere Essenswünsche für den Abend zu übermitteln … eine, wie sich herausstellen sollte, äußerst undankbare Aufgabe, da die Bestellungen bei den Teilnehmern bis zum Abend mitunter in Vergessenheit gerieten. Aber grundsätzlich erwies sich die bei der Tour praktizierte Kompetenzverteilung als erfolgreich, denn der Wetterbeauftragte behielt zwar am Montag mit seiner Vorhersage recht, dass es den ganzen Tag nur regnen würde, lag aber genauso richtig, als er für den Rest der Woche nur schönes Wetter in Aussicht stellte. So waren wir denn froh, dass es am Montag auf den ausgesprochen schlammigen, zuvor schon von Kühen zertrampelten Wegen nur ein vergleichsweise kurzer Weg zum Rifugio Città di Fiume war.

Der Nachmittag war wetterbedingt der Förderung von manueller Geschicklichkeit und logischem Denken gewidmet. Wir selbst gaben anderen Mitwanderern allein schon durch unsere Anwesenheit Rätsel auf, denn viele stellten sich die Frage, wie alt wir wohl seien. Hier sei nur verraten, dass unsere Gruppe von Anfangs- bis Fortgeschrittenenstadium alles abdeckte, auf ein Durchschnittsalter von 69 Jahren kam und ob der Fitness gerade seiner ältesten Teilnehmer allgemein beneidet wurde.

Nach dem vergleichsweise ruhigen Vortag erwartete uns am Dienstag eine anspruchsvollere Etappe über rund eintausend Höhenmeter mit Gipfelbesteigung auf den Monte Crot, bei der wir wunderschöne Aussichten auf den direkt gegenüber und immer wieder von Wolken verhüllten Monte Pelmo genießen konnten.

Schmaler Pfad zur Forcetta Pecol

Blick von der Alm Vescova zum Monte Pelmo

Panorama von der Coldai-Hütte

Ein unvergesslich schöner und eindrucksvoller Sonnenaufgang mit weitem Blick über die Dolomiten und mit Nebel gefüllte Täler verhieß nachhaltige Wetterbesserung für die kommenden Tage. Vom Rifugio Coldai führte unser Weg nun zunächst zum malerisch gelegenen Lago Coldai, in dessen blaugrünen spiegelblanken Wassern die gewaltigen Abstürze der in Bergsteigerkreisen berühmten Nordwest-Wände der Civetta sich in der Höhe noch verdoppelten. Nach kurzem Aufstieg kamen wir zu dem auf einem Bergvorsprung gelegenen Rifugio Tissi und dann entlang der Flanke der Civetta zum Rifugio Vazzoler. Dort wurde zunächst intensiv die Etappe vom nächsten Tag besprochen.

Genussabstieg zum Lago Coldai

Gipfel der Cima di Col Rean oberhalb der Tissi-Hütte

Am Abend lernten dann einige von uns erstmals Sinn und Unsinn des Würfelspiels „Schummelmax" kennen. Zudem konnten wir praktische Erfahrungen mit der italienischen Sprache sammeln und wissen fortan, dass ein „sambuco" (hier konkret Holunderschorle) nicht mit einem „sambuca" (Likör) zu verwechseln ist. Dank des guten Kartenstudiums vom Vortag konnte am Donnerstag der lange, steinige Wege zum Refugio Carestiato problemlos bewältigt werden. Kurz vor der Hütte waren größere Ansammlungen von rotem Lehm zu erkennen, die in diesem Gebiet die Erosion begünstigen.

Bei der nächsten Etappe zum Refugio Pramperet fühlte sich dann unser Essensbeauftragter nicht ganz ausgelastet und stellte bei schlappen 30°C unter Beweis, dass er mit Mütze und Handschuhen auch für widrige Wetterbedingungen bestens ausgerüstet gewesen wäre.

In der Tamer-Gruppe

Panorama beim Aufstieg zur Forc. de Zita Sud

Der Weg zu unserer letzten Hütte „Dian de Fontana" gewährte uns bei steilen Auf- und Abstiegen noch einmal eindrucksvolle Blicke auf die gewaltige Hochgebirgsszenerie der Dolomiten. Den krönenden Abschluss des Tages bildete am Abend der aufziehende Vollmond über den vom Abendlicht noch geröteten Felsgipfeln.

Rif. Plan de Fontana - der Vollmond geht auf

Am Sonntag musste der lange Abstieg in Richtung Belluno und letztlich die etwas komplizierte Rückreise nach Cortina d’Ampezzo gemeistert werden, wo wir bei gutem Essen die zurückliegende wunderbare Bergwanderwoche noch einmal Revue passieren ließen. Am folgenden Tag ging es wieder auf die lange Bahnfahrt zurück nach Rüsselsheim.

Christina Heffe

 

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